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Reflektion tritt auf, wenn Licht - bzw. allgemeiner: elektromagnetische Strahlung - zwei Medien mit unterschiedlichen Brechungskoeffizienten passiert. Dabei können zwei grundsätzlich verschiedene Arten von Reflektion unterschieden werden: Die Glanzlichtreflektion , die an der Materialoberfläche auftritt und einfallendes Licht unverändert reflektiert und die Körperreflektion , bei der einfallendes Licht an Farbpartikeln eines Mediums gestreut und von ihnen reflektiert wird. Hierbei wird das einfallende Licht spektral verändert und im Gegensatz zur Glanzlichtreflektion diffus zurückgeworfen (s. Abb. A.1a).
Für den Bildanalyseprozeß ist es im allgemeinen wichtig zu wissen, welche Bildkomponenten durch Körperreflektion entstanden sind und wo Glanzlichter auftreten. Das gilt bei der Farbbildverarbeitung im allgemeinen in noch stärkerem Maß als bei der Verarbeitung von Grauwertbildern, da Farbe mehr Information trägt als bloße Intensität.
Nach DIN 5033 [Far79a] kann ,,die Glanzerscheinung nicht in den Farbbegriff einbezogen werden. Das schließt nicht die Bewertung der durch den Glanzeinfluß veränderten Farbe aus``. Zur Erkennung von Glanzlichtern in Bildern bzw. von Farbänderungen aufgrund von Glanzlichtern wurden verschiedene Reflektionsmodelle entwickelt.
Das für die Bildverarbeitung mit Abstand wichtigste Modell ist das Dichromatische Reflektionsmodell von S. Shafer [Sha84,Sha85]. Shafers Modell ist im Gegensatz zu den bis dahin verwendeten Modellen sehr allgemein, allerdings ist es immer noch beschränkt auf opake, optisch inhomogene Materialien, die aus einem optisch durchlässigen Medium mit eingelagerten Farbpigmenten bestehen. Die meisten gebräuchlichen Materialien fallen in diese Klasse (Farben, Lacke, Papier, Keramiken, Kunststoffe, ...). Materialien wie z.B. Metalle lassen sich mit dem dichromatische Reflektionsmodell jedoch nicht beschreiben.
Fällt Licht auf eine Oberfläche zwischen zwei Medien mit unterschiedlichem Brechungsindex, tritt beim Durchgang durch die Oberfläche Reflektion auf. Die Richtung dieser Oberflächenreflektion folgt den Gesetzen der Optik und hängt nur von der lokalen Oberflächennormalen ab. Die Menge der an der Oberfläche reflektierten Strahlung folgt aus Fresnels Gesetz und hängt vom Einfallswinkel des Lichts, dem Brechungsindex des Mediums und der Polarisation des einfallenden Lichts ab. Obwohl der Brechungsindex abhängig von der Wellenlänge ist, fällt diese Abhängigkeit in der Praxis kaum ins Gewicht, so daß die Oberflächenreflektion im allgemeinen als wellenlängenunabhängig angenommen wird [Sha85].
Licht, das die Oberfläche durchdringt, wird entweder durch die
Farbpigmente absorbiert oder reflektiert. Derartige
Reflektionen, die Körperreflektionen, werden als diffus angenommen: sie
treten gleichverteilt in jeder Richtung auf. Abbildung A.1a
zeigt dieses Verhalten graphisch. Aufgrund der Absorptionseigenschaften
der Farbpigmente ist durch Körperreflektion zurückgestrahltes Licht in
der Regel spektral verschieden vom einfallenden Licht.
Zum besseren Verständnis des dichromatischen Reflektionsmodells zeigt
Abbildung A.1b die dafür relevanten Größen: i ist der
Einfallswinkel zwischen Oberflächennormale N und Lichtquelle I. eist der Reflektionswinkel24 zwischen N und Betrachter V. gschließlich ist der Phasenwinkel zwischen I und V. Das
dichromatische Reflektionsmodell zerlegt nun die gesamte reflektierte
Strahlung LR in die beiden Reflektionskomponenten:
Angewandt auf reale Bilder, ergibt sich folgender einfacher
Zusammenhang:
Gudrun Klinker verifizierte in [KSK90] Shafers Modell
experimentell, stellte jedoch fest, daß homogene Farbflächen in realen
Bildern kein Parallelogramm im Farbraum bilden, sondern eine ,,T``-Form
(s. Abb. A.2b). Die beiden Achsen des ,,T`` liegen parallel
zu den von Shafer postulierten Farbvektoren
und
der Reflektionskomponenten.
Das Modell von Klinker und Shafer bildet die Grundlage noch leistungsfähigerer Ansätze. So erweiterte etwa Bajcsy [BLL96] das dichromatische Modell um Inter-Reflektionen zwischen verschiedenfarbigen Objekten und diffuse Beleuchtungen.
Daneben existieren einige weitere - physikalische und geometrische - Reflektionsmodelle. Ein sehr leistungsfähiges physikalisches Modell wurde z.B. von He [HTSG91] vorgestellt. Im Gegensatz zum dichromatischen Reflektionsmodell können mit Hes Ansatz auch sehr glatte und optisch homogene Materialien (Metalle) erfaßt werden. Eine Diskussion weiterer Reflektionsmodelle (physikalisches ,,Beckmann-Spizzichino`` Modell, geometrisches ,,Torrance-Sparrow`` Modell) findet sich in [NIK91].
Für genauere Informationen sei auf die angegebenen Quellen verwiesen. Die erwähnten Reflektionsmodelle finden in der Bildverarbeitung kaum Anwendung, weshalb eine detailliertere Besprechung hier zu weit führen würde.